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"Gelegentlich fragte er sogar nach mir und tauchte für mich nach Seerosen in seinem Sumpf. Er steckte sie auf die Sprossen der Leiter, die ihn nicht trug, und ich trocknete sie zwischen meinen Zeilen."

Scribo, ergo sum.
Ich bin ein literarisches Chamäleon. Ich schreibe gerne Stilkopien zwischen Mittelalter, Thomas Mann und Groschenroman.
Auf dieser Seite finden sich Kurzgeschichten, einige Auszüge aus veröffentlichten Texten sowie glossige Gebrauchsgegenstände im Zweispaltenformat. Einige selbsteingelesene Texte finden sich auf YouTube als Audios, ebenso wie meine eigenen Songs.
Viel Spaß beim Lesen, Hören und Stöbern!
"... und uns mit den Steinen unserer Schutzmauern bewerfen. Wir spielen Tetris, ziehen uns selbst und dem anderen hier und dort einen Quader aus dem Wall und bauen löchrige, ineinander verschachtelte neue Mauern, die mitten durch unsere Länder hindurchgehen."
Es war einer jener Abende, an denen die Luft selbst zu atmen schien, schwer und süß, mit dem Duft blühender Kastanien durchzogen. Die Gesellschaft hatte sich in den Salon begeben, nur das Fräulein Imma hatte sich alsbald entschuldigt und in ihre Gemächer zurückgezogen, da ein gewisses Unwohlsein sie ergriffen hatte. Sie lehnte zum Fenster in den Garten hinaus und lauschte den abendlichen Geräuschen, die das Haus umgaben und von der Stadt her zu drängen schienen, nicht gewahr des Eintretens des Herrn von Recke. Fräulein Imma seufzte und stütze sich in den Fensterrahmen, die eine Hand auf dem Holze, wobei sie nicht der Spinnenweben achtete, die sich im Ärmelsaum ihres mattrosa Kleides verfingen, die andere Hand, in einer unachtsamen, aber doch hunderte Male in dieser bewußten Unachtsamkeit erprobten Geste, an ihre Schläfe erhoben.
Sie konnte hören, wie die Gesellschaft im Salon feierte, laut und ausgelassen. „Otto!“ dachte sie. Wisperte sie vor sich hin.
„Hier bin ich.“
Leise war er hinter sie getreten, mit der ungeheuerlichen Maskulinität und Kraft seines Körpers, die in jedem Schritt spürbar war, und doch so leise und grazil wie eine Katze. Eine Raubkatze, dachte Imma. Hastig drehte sie sich um, erschrocken, und dabei verfing sich ihr spitzenbesetzter Ärmel an einem Splitter des hölzernen Fensterrahmens. Sie riß sich los, während sie herumfuhr, verlor das Gleichgewicht, und landete mit beiden Händen auf seiner Brust. Sie stützte sich ab, wich zurück, doch weiter konnte sie nicht. Unnachgiebig spürte sie das harte Holz in ihrem Rücken. Eilig zog sie die Hände zurück und preßte sie seitlich neben sich an die kalte Wand. Sie konnte ihren eigenen Puls in den Händen fühlen, als ob die Wand ihren Herzschlag übernahm. Schnell, so schnell!
Ja, ich bin verliebt in Sprache...
Ach ja, und selbstverständlich liegen alle Rechte bei mir. Aber ich freue mich sehr über Veröffentlichungs- und Verwendungsanfragen. Kreative Anregungen, Ideen, Inspirationen.
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